Past Perfect: Lady Di

©artwork by Charles Bals / Another Slang

Die kurzen blonden Haare perfekt zurecht gemacht, dunkler Kajal, der ihre blauen Augen noch größer wirken ließ und goldene XL-Clips zum schlichten schwarzen Blazer, darunter nur ein weißes T-Shirt –  so trat Diana Princess of Wales, die im Volksmund nur Lady Di genannt wurde, am 5. November 1995 vor die Kameras der BBC. Sie hatte den Journalisten Martin Bashir zum Interview in ihr Wohnzimmer im Kensington Palace eingeladen. Damals lebte sie bereits getrennt von Prinz Charles. Das Interview sollte ihre Ehre retten – hatten doch sowohl Charles als auch die Medien Diana als treibende Kraft für die Entfremdung zwischen den Eheleuten dargestellt.

Camilla Parker Bowles bzw. deren Affäre mit Charles nach Dianas Einschätzung der Auslöser für das Scheitern ihrer Ehe. Mit dem Interview wollte sie ihre Sicht der Dinge erklären, sie sprach über ihre Bulimie, ihre unglückliche Beziehung mit Charles und die Verletzungen, die sie durch die Royal Family erfahren hatte. Dianas Interview wurde als Beichte aufgefasst, die von 23 Millionen Briten vor den Fernsehern verfolgt wurde. Sie veranlasste Königin Elisabeth II. das juristische Procedere voranzutreiben. Am 28. August 1996 wurden Prinz Charles und Prinzessin Diana offiziell geschieden.

Als Diana am 29. Juli 1981 in der Londoner St. Paul’s Cathedral Charles in einem puffigen Seidentraum von Elizabeth Emanuel das Ja-Wort gab, war das nicht nur der Beginn ihres Amtsantrittes als Prinzessin, sondern auch der Tag, an dem sie zum Stilvorbild für Frauen auf der ganzen Welt avancierte. Jeder ihrer Auftritte wurde von da an in der Presse zum Fashion-Ereignis stilisiert – in den 1980er Jahren galt Di als die meist fotografierte Frau der Welt. So schrieb ihr offizieller Besuch im Weißen Haus 1987 Modegeschichte, als sie mit einem schulterfreien schwarzen Samtkleid mit Diamanten-Kette erschien und den legendären Tanz mit John Travolta auf das Parkett legte.

Dennoch war der Look für ihr BBC-Interview so bezeichnend für Di. Denn in keinem Moment wurde es so deutlich, dass Diana ihren Stil einsetzte, um damit in der Öffentlichkeit ein Statement zu setzen. Das unprätentiöse Outfit, das sie während ihrer großen TV-Beichte trug, sollte ihre Glaubwürdigkeit unterstreichen, der Kajal, der die großen blauen Augen hervorhob, ihre Verletzlichkeit und die großen goldenen Ohrclips ihre Stärke. Gerade das Spiel mit diesen Ambivalenzen machte Diana so interessant für die Medien – und das setzte keine so gekonnt für die Presse ein wie sie. Als Prinz Charles 1994, ein Jahr zuvor  in einem BBC-Interview versicherte, dass er während seiner Ehe nicht mit Camilla fremd gegangen war, gewährte ihm Diana nicht lange den Glanz, als Unschuldslamm im Rampenlicht zu stehen.

Noch am gleichen Abend zog sie auf einer Sommer-Party in der Serpentine Gallery im Londoner Hyde Park die Aufmerksamkeit der Medien mit einem Auftritt in einem engen Mini-Kleid aus schwarzer Seide von Christina Stambolian auf sich und nahm dem Ehebrecher so den Wind aus den Segeln. Bereits  während der Trennungsphase machte Diana auch mit ihrem Kleidungsstil deutlich, dass sie sich nicht mehr vom Buckingham Palace kontrollieren ließ und die royale Repression hinter sich gelassen hatte. Die konservativen Outfits wie zum Beispiel das brave Kleid mit Schleifchen und Polkadots, das sie kurz nach der Geburt ihres ersten Sohnes am 21. Juni 1982 trug und Kostüme, die kein Knie zeigten, gehörten der Geschichte an.

Stattdessen zeigte sie sich in figurbetonten Looks als selbstbewusste Frau, die einer unglücklichen Ehe entkommen war. Als sie 1995 zu einem Charity-Konzert in Italien in einem sexy Versace-Kleid erschien, das ihre Beine und zarte Figur in den Vordergrund rückte,  hatte sie sich von ihrem alten Leben emanzipiert. Mit dem neuen Sexappeal kamen auch neue Männer in Dianas Leben. So versuchte sie ihr Glück mit dem pakistanischen Herzchirurgen Hasnat Khan und verbrachte die letzten Monate vor ihrem Unfalltod an der Seite des  Geschäftsmannes und Playboys Dodi Al-Fayed, mit dem sie zum Beispiel auf einer Yacht schippernd vor der Küste von St. Tropez von den Paparazzi abgelichtet wurde.

Viele hätten sie wahrscheinlich gerne als vergnügungssüchtigen Ex-Royal gesehen, doch auch in Dianas neuem Leben gab es eine andere Seite. Nach der Scheidung setzte sich Diana insbesondere für die Abschaffung von Landminen ein. 1997 besuchte sie ein  Krankenhaus in Angola, das sich um Opfer von Landminen kümmerte. In ärmelloser Jeans-Bluse mit dem „Roten Kreuz“-Wappen, einer 7/8-Chino-Hose und dazu Loafern von Tod’s, trat sie ganz bodenständig in Afrika auf. Ohne Scheu ging sie auf die Patienten zu und ließ sich umringt von einer Schar Kinder von den Fotografen ablichten, um auf die Missstände dort aufmerksam zu machen.

Ebenso ambivalent wie Diana selbst war auch ihr Tod. Waren letztendlich doch gerade die Medien, die sie stets so geschickt für ihre Zwecke einsetzte, vermutlich Schuld an ihrem tragischen Ende. Am 31. August 1997 starben Diana und Dodi bei einem Autounfall in einem Tunnel in Paris, nachdem sie von Paparazzi verfolgt wurden. Viele beschrieben diese letzte Fahrt von Di und Dodi als Hetzjagd, bei der das Paar zu Tode kam.

AUTORIN: CHRISTINE KORTE (REDAKTIONSLEITUNG FLAIR MAGAZIN BERLIN)
LIEBSTEN DANK AN CHARLES BALS VON ANOTHER SLANG FÜR DIE WUNDERSCHÖNE COLLAGE