Past Perfect: Carolyn Bessette-Kennedy

©artwork by Charles Bals / Another Slang

Ein schnörkelloses Seidenkleid mit Spaghettiträgern, die blonden Haare zum Dutt gedreht, in dem nonchalant ein Schleier aus transparentem Chiffon steckt: So tritt Carolyn Bessette am 21. September 1996 als frischvermählte Mrs. Kennedy an der Seite von John F. Kennedy Jr. aus einer kleinen baptistischen Kirche auf Cumberland Island. Ihr Mann – auch bekannt als John John – der Sohn des legendären Präsidenten der Vereinigten Staaten, hält ihre Hand zum Kuss. Sie strahlt ihn dabei an. Das Foto zeigt ein Ereignis, das in Amerika einer royalen Trauungszeremonie gleichkommt. Bis heute wird es von den Hochglanzmagazinen aus den Archiven geholt, wenn wieder einmal die wichtigsten Hochzeitspaare der letzten Jahrzehnte präsentiert werden.

Gleichzeitig dokumentiert das Bild die Geburtsstunde von Carolyn Bessette-Kennedy als Stilikone. Ihr modisches Markenzeichen: schlichte Eleganz, die mit einer Unangestrengtheit daher kommt, wie sie nur echten Ostküsten-Amerikanern, oder vielmehr denen aus dem Nordosten, in die Wiege gelegt wird. Tatsächlich liest sich Carolyns Biografie so, als sei sie einzig und allein darauf vorbereitet worden, mit den Kennedys auf deren Familienanwesen auf Martha’s Vineyard im Garten Tee zu trinken und eine paar Runden Football zu spielen. Carolyn wuchs als ältere Zwillingsschwester in Greenwich, einer der nobelsten Gegenden von Connecticut, auf. Sie war acht Jahre, als sich ihre Mutter scheiden ließ und einen dort ansässigen, angesehenen Arzt heiratete.

Carolyn studierte nach dem Abschluss einer katholischen Highschool an der Boston University. Ihrem ersten Job als PR-Lady eines Nachtclubs folgte eine Stelle als Verkäuferin in einem Calvin Klein Store in Boston. 1989 zog sie dann für das Label nach New York und leitete später das PR-Department des Unternehmens. Eine Position, die ihr Kontakte zu wichtigen Redakteuren der Modeszene und Prominenten wie Blaine Trump, Nan Kempner und Diane Sawyer einbrachte. Damit war Carolyn in New Yorks “besserer Gesellschaft” angekommen. Und sie lag ihr zu Füßen.

Ihr Image als kühle Upper-Class-Blondine passte perfekt zum unaufdringlichen Luxus, den die High Society der 1990er Jahre bis zum Exzess zelebrierte. Die Wahl ihrer Männer, die sie sich auf ihren nächtlichen Streifzügen durch die New Yorker Szene wie Accessoires an den Arm hing, tat das Übrige, um ihrem Image gerecht zu werden. So sah man sie an der Seite von Calvin Klein Model Michael Bergin, Hockeyprofi John Cullen und Modeerbe Alessandro Benetton. Als John John auf der Bildfläche erschien – angeblich sollen die beiden beim Joggen im Central Park ineinander gelaufen sein – erklärte die Presse Carolyn zu Amerikas neuer Prinzessin. Schließlich war sie jetzt mit dem Mann liiert, der trotz seiner bewussten Entscheidung nicht in die Politik zu gehen und als Chefredakteur des Magazins George ein eher “bürgerliches“ Leben zu führen, von einer ganzen Nation als Amerikas Prinz verehrt wurde.

Carolyn trat – ganz nach der Definition eines Royals im aufgeklärten Amerika –  dementsprechend als moderne Prinzessin an seiner Seite auf. Statt Brokat und Krone trug sie schlichte Pullover, Hemden, Bleistiftröcke und Abendkleider in Beige, Schwarz und Weiß. Um die vornehme Bescheidenheit auf die Spitze zu treiben, mussten Labels ebenso unsichtbar bleiben wie Schmuck, den man nur selten an ihr sah. Angeblich soll Narciso Rodriguez, der ihr damals das Hochzeitskleid von Cerruti auf den Leib schneiderte, darüber gejammert haben, dass Carolyn ihm nicht erlaubte, ihr Kleid mit Perlen zu besticken.

Eine andere Anekdote erzählt davon, wie sie beim Erwerb eines Skianzuges von Prada die Verkäuferin darum bat, sie möge doch das Label herausschneiden. Natürlich zog die Presse nach der Hochzeit sofort Parallelen zwischen Carolyn und ihrer verstorbenen Schwiegermutter Jacqueline Kennedy Onassis. Beide teilten nicht nur einen exzellenten Stil, sondern galten auch als große Verfechter ihres Privatlebens. Ein wichtiger Faktor, um an der Seite eines Kennedys nicht zum Spielball der Medien zu verkommen. So gab es von ihrer Hochzeit auch nur das eine Motiv, das eingangs erwähnt wurde. Home Stories, Interviews oder gar Presse bei den Feierlichkeiten waren unerwünscht.

Während Carolyn ihr Leben so gut wie möglich von der Öffentlichkeit abschirmte, wurde allerdings ihr früher Tod im Alter von 33 Jahren zum Medienereignis. 1999 stürzten John John, Carolyn und ihre zwei Jahre ältere Schwester Lauren mit einem Privatjet an der Küste vor Martha’s Vinyard in den Atlantik. Kennedy selbst steuert die drei Flugzeug-Insassen in den Tod. Der Trauergottesdienst am 24. Juli 1999 in der Saint Thomas Kirche in New York wurde in Amerika und auf der ganzen Welt im Fernsehen übertragen. Prominente wie Muhammad Ali und der damalige Präsident Bill Clinton zollten dem Paar die letzte Ehre, draußen vor den Pforten standen die Fans trotz brütender Hitze in Scharen, um mit den Angehörigen zu trauern. Eine ganze Nation musste Abschied nehmen von ihrem Prinzen und ihrer Prinzessin.

 

Autor: Christine Korte

 

LIEBSTEN DANK AN CHARLES BALS VON ANOTHER SLANG FÜR DIE wunderschöne COLLAGE