Past Perfect: Babe Paley

© El Greco, Lady in a Fur Wrap, c. 1577-1580. Held in Kelvingrove Museum and Art Gallery/ Babe Paley, Erwin Blumenfeld, Vogue, February 1947

Babe Paleys durchkomponierte Haltung zieht einen in den Bann. Ihre gesenkten Augen erlauben es dem Betrachter, seinen Blick in dem markanten blauen Hut zu verlieren, den sie auf dem Kopf trägt. Die schwarze Federbusch fällt anmutig und konturiert ihr beleuchtetes Gesicht. Erwin Blumenfeld, der Fotograf dieses Bildes, sagte: “Die Form ihres Gesichtes ist so delikat wie bei einem El Greco. Sie hat die durchsichtigste Haut, nur Velasquez hätte es vermocht, diesen Schimmer auf der Leinwand zu bannen.” Sie drapiert ihre behandschuhte Hand elegant unter ihr Kinn und gibt ihrem Gesicht damit einen Rahmen, Amy Fine Collins erläutert, dass “sie nicht nur für die Art wie sie gekleidet war angeschaut wurde, sondern auch dafür, wie sie sich benahm… sie behielt ihre Gesten ziemlich nah an ihrem Körper, und das machte den Teil der Eleganz aus, die auf sie zurückfiel”. Ihr Körper, in Schatten getaucht, ermutigt zu einem Vergleich zwischen ihrem tiefroten Lippenstift, für den sie gepriesen wurde, und dem strahlend blauen Rand des Hutes. Die Kreation ihres eigenen Images ist beeindruckend und unvergesslich zugleich, und führt dazu, dass es der Betrachter erneut anschauen möchte.

Babe Paley war Truman Capotes Lieblingsschwan, eine Gruppe von Frauen aus der Gesellschaft, die er bevorzugte und die Slim Keith, Lee Radziwill, C. Z. Guest, Gloria Guinness und Marella Agnelli umfasste, kommentierte er so: “Mrs. P. hatte nur einen Fehler: Sie war perfekt; ansonsten war sie perfekt.” Dieser Zirkel war außerordentlich reich, was nicht das einzige Kriterium war; die Frauen verfügten alle über literarische Anziehungskraft, jede von ihnen hatte in Capotes Augen eine Geschichte zu erzählen. Er betrachtete sie mit dem, was der Biograph Gerald Clarke als “von Ehrfurcht und Neid durchmischt” beschrieb, bei der er jede für eine Künstlerin hielt, “dessen einzige Schöpfung ihr eigenes vergängliches Selbst” war. Babe war das feinste Kunstwerk, und ihr Eindruck auf ihn war nachhaltig. Billy Baldwin, der Innenarchitekt, setzte zu einer Erklärung an: “So groß ist ihre Schönheit, dass egal, wie oft ich sie sehe, es jedes Mal wie das erste Mal ist.”

Als Barbara “Babe” Cushing 1915 in Boston geboren, tauften die Klatschkolumnisten sie und ihre beiden Geschwister “die drei fabelhaften Cushing Schwestern der High Society”, als Kind hatte ihr Vater sie “der schöne Liebling” genannt. Aus wohlhabenden Haus, war ihr Vater ein angesehener Gehirnchirurg; Babe wurde im Oktober 1934 in die Gesellschaft eingeführt. 1938 war sie unter Chefredakteurin Edna Woolman Chase die Moderedakteurin der amerikanischen Vogue, ein Posten, den sie inne hielt, bis sie ihren zweiten Ehemann, den CBS Gründer William “Bill” Paley 1947 heiratete.

Während sie bei der amerikanischen Vogue arbeitete, holten die besten und berühmtesten Fotografen jener Zeit Babe viele Male vor die Kamera, darunter

Horst P. Horst, Edward Steichen, Cecil Beaton, Clifford Coffin und Erwin Blumenfeld. Ihr Stil was makellos, was auch immer sie als Bekleidung auswählte, es entwickelte sich zur Mode. Ihr geschmeidiger Körper ließ jedes Kleidungsstück wie an einem Rahmen mit zügelloser Eleganz an ihr herunterfallen. Als früher Ausdruck von dem, was wir heute Stylist nennen, besaß sie das Talent, ihre Ensembles von Charles James oder Givenchy mit Accessoires zu bestücken, und zwar nicht nur mit den Juwelen von Verdura und Schlumberger, sondern auch mit Kostümstücken kombiniert, oder sie arrangierte eine Perlenschnur, die ihr den Rücken hinunterfiel und nicht vorne. Am bekanntesten wurde sie dafür, als sie den bunten Schal, den sie trug, abmachte und ihn an den Henkel ihrer Tasche band, ein Trend, den sie damit auslöste und dem Frauen in ganz Amerika nacheiferten.

1958 eroberte sie die internationale Hall of Fame der Vanity Fair mit der Best Dressed Liste und 1975 ernannte sie Eleanor Lambert, die Erfinderin der Bested Dressed Liste, zur Super Dresser of Our Time. Babe inspirierte Mannequins, Designer und Illustratoren, zusätzlich zu den Modefotografen. Wie auch immer, es war Truman Capotes Immortalisierung von Babe in seinem unvollendeten Anwered Prayers, an die man sich am meisten erinnert. Das Kapitel, das der Esquire in seiner Novemberausgabe von 1975 veröffentlicht hat, betitelt mit  “La Côte Basque 1965” ist ein pikantes Enthüllungsstück der verschlossenen Welt Babes, ihre Antwort auf seine Arbeit war: “Ich las es und war absolut entsetzt.” Capote erholte sich nie von der zerstörten Freundschaft mit seinem Lieblingsschwan. Babe, die bemerkenswerte Ikone, hinterließ einen ewigen Eindruck.

Übersetzung: Nella Beljan
Shongah Marshall

Shonagh Marshall arbeitet als unabhängige Modekuratorin in London und spezialisiert sich auf den Einfluss von Kleidung auf die Gegenwartskultur. Sie begann ihre Karriere am Metropolitan Museum of Art and Costume, wo sie die Alexander McQueens Kollektion archivierte. 2012 wurde sie ans Somerset House berufen um dort an den Austellungen Valentino: Master of Couture und Tim Walker: Story Teller zu arbeiten. 2013 co-kuratierte sie die Isabella Blow Collection, und wurde später in deren Stiftungsrat berufen. Sie ist Mitglied des Auswahlkomitees der International Fashion Showcase und wurde kürzlich in den Vorstand der Costume Society aufgenommen. Aktuell kuratiert Shonagh drei großangelegte Austellungen, die 2016 eröffnet werden.