Lesetipp: Zadie Smith im „T Magazine“

©Jackie Nickerson for "T Magazine"/ Inez & Vinoodh for "The Gentlewoman"

Die Schriftstellerin Zadie Smith und ihr neues Buch Swing Time im renommierten T Magazine

Das T Magazine veröffentlicht die aktuelle Ausgabe zu dem Thema “The Greats” und zeigt auf sieben verschiedenen Covern sieben Persönlichkeiten, die gerade auf unterschiedlichen Gebieten für Veränderungen sorgen. Darunter findet sich neben Michelle Obama (was keiner Erklärung bedarf) und dem Superkoch Massimo Bottura auch ein Cover mit der Schriftstellerin Zadie Smith. Ah, denkt der aufmerksame Leser – ziert sie doch schon seit ein paar Wochen die Ausgabe meines Lieblingsmagazins The Gentlewoman (in einem Mantel von The Row, fotografiert von Inez & Vinoodh).

Zugegeben, ihre Bücher White Teeth (dt. Zähne zeigen), NW (dt. London NW) und Changing My Mind (dt. Sinneswechsel) liegen bisher nicht vollständig gelesen bei mir zuhause auf dem Nachttisch, im Wohnzimmer und im Bücherregal verteilt. Aber spätestens jetzt ist es an der Zeit, einen genaueren Blick auf die 41-jährige Britin zu werfen.

Sie ist geboren in London, Mutter Jamaikanerin, Vater Brite. Mit knapp 21 Jahren, da studierte sie noch am King’s College an der Universität von Cambridge Literatur, bekam sie von einem Verlag angeblich einen sechsstelligen Vorschuss für ihr 80-seitiges Manuskript. Die Rechte daran erwarb sodann der Hamish Hamilton Verlag auf einer Literaturauktion. 2000 erschien, beruhend auf diesem ersten Manuskript, White Teeth – der Roman, der noch im selben Jahr zum Bestseller wurde und Smith schlagartig berühmt machte. Ihre vielen preisgekrönten nachfolgenden Romanen und zahlreichen Essays, die u.a. in The Paris Review erscheinen oder auch wie aktuell in der britischen Tageszeitung The Guardian, belegen, wie ernst ihr das Schreiben (ihre zum Beruf gemachte Passion) immer noch ist.

Smiths Netzwerk von Freunden liest sich wie ein Who Is Who der New Yorker (wo sie jetzt lebt) und Londoner (wo sie aufwuchs) Literaturszene, darunter Jeffrey Eugenides (der das tolle Feature im T Magazine über sie schrieb), Leanne Shapton, Dave Eggers, Philip Roth, Jonathan Safran Foer und Nicole Krauss. Mit ihrem Partner, dem Schriftsteller und Lyriker Nick Laird, zieht sie ihre beiden gemeinsamen Kinder groß und lehrt an der New York University das Fach Creative Writing.

Abgesehen von dem unübersehbaren Talent, mehrere Lebensziele offenbar gleichzeitig miteinander zu vereinbaren, ist Zadie für mich in erster Linie vor allem auch die Verkörperung des Imperfekten – gibt sie im Interview von The Gentlewoman gegenüber Sophie Elmhirst zu, noch lange nicht mit sich selbst im Reinen zu sein. Es sei ein konstanter Prozess, ihre inneren Konflikte zu glätten. “I refuse to be bullied by the idea that you have to have mental peace to write. I definitely have no mental peace, but I have written despite that…”

Für viele andere steht Zadie Smith darüber hinaus als Sinnbild für eine Gruppe unserer Gesellschaft, die es nicht immer leicht hat: Ihre Herkunft in Kombination mit ihrem Geschlecht sind zwei zentrale Themen, die sie in ihren erfolgreichen Romanen immer wieder bearbeitet und damit einer großen Zielgruppe aus der Seele spricht.

Das Gespräch mit dem befreundeten Autor Jeffrey Eugenides in oben genannter Publikation kommt vor allem deshalb zustande, weil am 15.11. ihr neues Buch Swing Time veröffentlicht wird. Es handelt von zwei Freundinnen und ihrer Liebe zur Musik, beide haben den Traum, Tänzerinnen zu werden – ihre Lebenswege führen aber natürlich, denn sonst gäbe es keine Geschichte, in zwei verschiedene Richtungen. Einen wunderbaren Essay über die Musik als Ausdruck von Emotionen und Gedanken, der ohne Worte (also Zadie Smiths Werkzeug) möglich ist, gibt es im The Guardian. Und ehe ich mich versehen habe, habe ich zwei komplette Tage mit Zadie verbracht, vor lauter interessantem Material, das sie im Netz und in Buchform hinterlässt. Kein Wunder, dass Die Welt sie übernächste Woche für ihr Lebenswerk auszeichnet.

Zadie Smith – Swing Time
Ihr Buch "Swing Time" gibt es ab dem 15.11. in gut sortierten Buchläden oder online auf Amazon

Das besagte Feature im T Magazine mit Jeffrey Eugenides gibt es hier.
Das Magazin The Gentlewoman kauft man in gut sortierten Magazin Shops oder online hier.
Das Gespräch zwischen Zadie Smith und Jeffrey Eugenides für die von der NYU organisierten Salon Series gibt es hier.

Julia hat 2007 einen der ersten Modeblogs in Deutschland mitgegründet und als Consultant für Digitale Strategien gearbeitet, nachdem 2010 ihr erstes Buch erschienen ist. Nach vier ereignisreichen Jahren bei Condé Nast, in denen sie hauptsächlich für den digitalen Bereich der deutschen Vogue verantwortlich war, entschloss sie sich, ihr eigenes Online Magazin zu gründen, gemeinsam mit der Partnerin ihrer Träume – mit Veronika Heilbrunner. Julia lebt und arbeitet in Berlin und liest gerne Bücher.