Interview: Ludwig Cramer-Klett, Gründer des Katz Orange

Ludwig Cramer-Klett Portrait

2008 bin ich nach Berlin gezogen. Damals gab es noch das Scala, einen Club, in dem ich Ludwig Cramer-Klett, bei leicht skurriler Kulisse, kennenlernte: In einem abgeranzten Haus auf der Friedrichstraße tanzten, über fünf Stockwerke verteilt, überwiegend kleine Raver (und solche, die es sein wollten) und tranken dazu Unmengen an lieblos gemixten Kaltgetränken. Die Stimmung war also super und das Scala wurde zu unserem zweiten Wohnzimmer.

Jemand stellte mir einen großen Kerl im grauen Anzug vor. Und auf meine harmlos-naive Frage: „Und was machst du so?“, bekam ich eine relativ klare Antwort des heute 38-Jährigen: „Ich finde mich.“ Das ist meine Lieblingsanekdote über den Gastronom und gebürtigen Münchner Ludwig Cramer-Klett. Immer wenn ich den Innenhof seines enorm erfolgreichen Restaurants Katz Orange (2012 eröffnet) in der Bergstraße betrete, fällt sie mir wieder in den Sinn. Und ich bin dann jedes Mal schwer beeindruckt, wohin sich der inspirierende Ex-Finanzexperte hat treiben lassen.

Nach seiner Kindheit in Bayern und der Schweiz hat er unter anderem als Investmentbanker in vielen Teilen der Welt gearbeitet. Nach eigener Aussage folgten ein paar Jahre der Meditation und eine Zeit, die er bei Schamanen verbracht hat. Fast kein Wunder, dass ihm danach zwar noch nicht sein genaues Ziel völlig klar war – aber dass er es angehen würde.

Hier unser kleines Interview mit dem Entrepeneur, der nach den zehn Jahren, in denen er die Welt bereist hat, nun offenbar ganz bei sich und seiner Bestimmung angekommen ist. Gerade eröffnet er seine vierte Location in Sachen Gastronomie- Erlebnis in Berlin.

CFL Canteen

Die CFL Canteen hat just eröffnet und stellt neben dem Katz Orange, dem Contemporary Food Lab und dem Candy on Bone Dein mittlerweile viertes Projekt. Wie kam es zu dazu?

Es fing damit an, dass einer meiner besten Freunde mich fragte, ob wir in dem Gebäude, das ihm gehört, einen kleinen gastronomischen Betrieb machen wollten. Er betreibt dort auch den ebenfalls gerade eröffneten Coworking Space „The Workspace“ im Obergeschoss. Dieser Freund war auf der Suche nach guter Verpflegung für seine Coworker. Gleichzeitig waren wir auf der Suche nach geeigneten Flächen für die Manufaktur des Candy on Bone, dem Deli, den wir in wenigen Tagen am Planufer in Kreuzberg eröffnen. Da wir schon länger wussten, dass es in der Ecke an guten Mittagslokalen mangelt, überlegten wir uns ein an die Küche des CoB angelehntes Mittagskonzept, das etwas über das ursprünglich angedachte Café hinausgeht.

Was genau steckt hinter dem Contemporary Food Lab?

Das CFL ist ein Sammelsurium an Projekten und Unternehmungen rund um das Thema Mensch, Natur und Ernährung. In unserem Journal bringen wir unsere Neugierde und unsere multidisziplinäre Perspektive zum Ausdruck.

Aus dieser facettenreichen Perspektive heraus gründen wir auch Unternehmen im Bereich Gastronomie und bald auch Einzelhandel, Bildungsprojekte, und bewegen uns sogar auf die Entwicklung technologischer Anwendungen hin.

Man könnte sagen, wir sind ein multidisziplinäres Netzwerk und Unternehmen. Man könnte aber auch sagen, wir sind eine Art Kreativ Hub oder Inkubator rund um das Thema Essen.

Das Katz Orange gibt es nun etwas mehr als drei Jahre. Es ist immer voll, unter den Gästen sind auch viele internationale Besucher, und alle lieben es. Besonders beliebt ist es angeblich auch bei Stars und Sternchen aus New York und Hollywood. Was meinst Du, was sie bei Dir am meisten schätzen und kannst du für unsere Leser vielleicht ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern?

Im Januar gibt es das Katz Orange vier Jahre und es stimmt, wir haben viele internationale Gäste, unter welchen auch schon die eine oder andere prominente Persönlichkeit war: Wir hatten schon Schönheiten wie Scarlett Johansson und Jessica Alba bei uns, es gab einige sehr lustige Abende mit Mario Testino, Tom Hanks sagte uns, dass es sein neuer Lieblingsort in Berlin sei, Steven Spielberg ließ uns nach seinem Besuch sogar das Catering für seinen Privatjet übernehmen, weil er nicht genug von unserem geschmorten Lamm bekommen konnte und Lou Reed war kurz vor seinem Tod noch bei uns und fand das Katz Orange so super, dass er nach seinem ersten Besuch direkt am nächsten Tag wiederkam, nachdem er sein letztes Konzert in Berlin gegeben hatte.

Ich glaube, die Leute mögen die Mischung aus Entspanntheit und dem hohen Anspruch an Qualität, sowohl was die Küche als auch die Getränke angeht. Bei uns gibt es trotz der berühmten Gäste keinen Promialarm. Wir sind ein inklusiver Ort, kein exklusiver. Jeder wird gleich nett und herzlich behandelt. Jeder Gast wird in Ruhe gelassen. Keine Fotos und Autogramme.

Du bist Quereinsteiger. Erinnerst Du Dich noch an den Moment, in dem Du das Konzept zum Katz Orange klar vor Augen hattest?

Die Vision, irgendwann mal in der Gastronomie aktiv zu werden, hatte ich schon sehr lange. Sie war sozusagen mein Leben lang präsent und konnte in mir wachsen und gedeihen. Irgendwann hatte ich im Amazonas bei einem Stammesschamanen eine Eingebung,  sofort nach meiner Rückkehr damit anzufangen, in diese Richtung aktiv zu werden. Ich habe es anfangs nochmal kurz hinterfragt, da es für mich einen kompletten Lifestyle-Wechsel beinhaltete. Schon sehr schnell aber wurde mir signalisiert, dass ich nicht fragen sollte, was ich will, sondern einfach dem folgen sollte, was mir klar gezeigt worden war.

Warst Du Dir in den Anfangsmomenten darüber im Klaren, was in den nächsten Jahren noch alles auf Dich zukommt? Das Team ist ja mittlerweile eine ganze Ecke größer geworden und die Ursprungsidee hat sich über den Zeitraum viel weiter aufgestellt.

Wir sind mittlerweile über 60 feste Mitarbeiter. Ich wusste direkt, dass dies erst den Anfang der Reise bedeutete. Wie genau sie sich gestalten würde, ergab sich natürlich erst mit der Zeit. Ich ließ das zu einem gewissen Grad auch einfach auf mich zukommen. Irgendwo tief in mir hatte ich aber eine klare Vorstellung von der Zukunft, die sich so ziemlich mit dem deckt, was sich mittlerweile entwickelt hat. Aber darauf habe ich mich nicht verlassen und tue es auch weiterhin nicht. Ich versuche einfach, Tag für Tag mein Bestes zu geben. Manchmal schwebt mit ein Bild vor Augen: Ich bin der erste Hund vorm Schlitten. Irgendwoher weiß ich die Richtung, aber wo es genau hingeht,  kann ich trotzdem nicht sagen und unterm Strich ziehe ich auch nur den ganzen Tag den Schlitten, genauso wie alle anderen.

Last but not least: Was kommt als nächstes? Welchen Wunsch hast Du Dir noch nicht erfüllt? Wo siehst Du das Ganze in fünf Jahren?

Mal sehen, wo die Canteen und vor allem Candy on Bone hingehen. Darauf bin ich erstmal gespannt. Wir haben fast drei Jahre an dem Projekt gearbeitet. Natürlich haben wir noch ein paar andere Projekte in der Pipeline, aber eines nach dem anderen. Wie gesagt, Tag für Tag.

CFL Canteen