Escapism: Jana Gutsche in Griechenland

©Collage / Oriane Baud

Jana Gutsche war in der Mani in Griechenland und kommt aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Ein kleiner sommerlicher Ausflug

Für mich DAS Reiseziel, wenn ich alles andere sein will, als wild! Und das kommt bei mir mindestens einmal im Jahr vor, gern um die Jahresmitte. Da brauche ich eine Woche hier, denn die bewirkt, was bei anderen Menschen drei Wochen Ayurveda auf Bali macht: Ich bin entspannt, gebräunt, gesättigt, ausgeschlafen und vor allem wieder ganz bei mir!

Optisch ist die Mani, die den südlichen Teil des Mittelfingers der Halbinsel Peloponnes bildet, das Gegenteil von dem, was man sich sonst so unter Griechenland vorstellt.

Die Farbpalette der Landschaft kommt in kargem Nude und Neutrals, alles wirkt wie durch Insta-Filter entsättigt und die gängige Architektur ist clean und kubistisch, gebaut in greigen Natursteinen. Die ausgedörrten Grasweiden wirken wie ein Weichzeichner auf die weitläufige Gebirgslandschaft und alles duftet irgendwie so lecker wie Produkte von Aesop.

Der Sound ist beschränkt auf das starke und gleichmäßige Zirpen, das Wasser fühlt sich ab Juni richtig warm an und ist kristallklar, die Strände unentdeckt und der Fisch täglich frisch. Herrlich! Nichts, was ablenkt oder aufregt. Nichts, was man großartig sehen oder tun muss. Hier kann man einfach nur sein. Alles ursprünglich und einfach und einfach nur schön. Minimalismus meets Slow-living. Sozusagen.

Kristallklares Wasser #nofilter

Where to Stay

Nirgendwo anders und immer nur hier hier hier, in meinem geliebten Hotel Pirgos Mavromichali in Limeni. Das Boutiquehotel mit 13 Zimmern ist ein umgebauter, ehemaliger Kampftower, und bis heute in Hand der griechischen, sagenumwobenen Familie Mavromichalis! Ich wünschte, ich wäre historisch interessiert, allerdings fasziniert mich hier eher, dass drei Generationen rheinländischer Griechen (Hömma! Herrlisch is dat!) das Hotelbusiness betreiben. Was jetzt vielleicht danach klingt, dass man hier vollgeredet oder entertaint wird – das Gegenteil ist der Fall. Die Betreiber sind allesamt sehr umsichtig und unaufdringlich. Wenn man es allerdings herausfordert (wie ich Rheinländerin), trifft man auf Offenherzigkeit und Humor.

Zum Wesentlichen, also den Facts, die auf Bookingseiten immer so promomäßig gefettet werden: 13 Zimmer, individuell geschnitten, großteils Meerblick, ab 120 Euro/Nacht/Zimmer inkl. Frühstück, dem Zimmer zugehörige Badeliegen und Beachtücher, hoteleigener Zugang per Steintreppchen zum Meer.

Ebenfalls Fakt ist: Hier gibt es einen gewissen ästhetischen Designanspruch (formschöne Holzmöbel von Coco-mat, im Badezimmer Pflegeprodukte von Korres, graue Granitfliesen, weißgekalkte Wände und viel Naturstein), aber sicher kein dazu dekoriertes Ethnofeeling und keine loungige Elektromusik oder so. Alles klassisch, pur, schön und geschmackvoll – weil es schön so ist, nicht weil’s jetzt angesagt ist! I like!

Noch mehr Eindrücke gibt’s auf dem Insta-Account.

Gut für Faule: Man muss das Haus gar nicht verlassen, denn es gibt eine ganztägig geöffnete Küche, z.B. mittags ein griechischer Salat (9 Euro) oder abends ein frisches Fischfilet mit gegrilltem Gemüse (30 Euro). Dazu eine Handvoll ausgewählte Weine (Flasche ab 25 Euro), leckerer Cappuccino (3,50 Euro), frische Säfte (3 Euro) – man kommt über die Runden. Und wird dabei selbst eins, nämlich: rund! Dislike!

What to Do

Andere Menschen bewandern die Mani gern, ich befahre sie lieber. Dafür reicht ein kleiner geliehener Inselflitzer. Einmal habe ich versucht, fancy wie ich sein wollte, einen VW Beetle Cabrio zu renten und dabei gelernt: Egal, welche Klasse, sie sind alle etwas schrottig, verstaubt und standardmäßig unter der normalen Erwartung. Daher: Einfach den günstigsten Tarif wählen und damit durch die Mani cruisen.

Zu besichtigen gibt es viele kleine pittoreske Bergdörfchen (Kardamili ist mein Favorit!) und unzählige kleine Badebuchten zum Schnell-mal-Abkühlen.

Beachmäßig zu empfehlen ist der Strand in Flomochori. Zwar Kiesel statt Sand, aber so klein und glatt, dass es sich herrlich anfühlt. In diese Bucht kommen vor allem die Locals! Es gibt hier eine einfache Taverne – Greek Salad und Oktupus und dringend Amstel Bier! Icecold, please! Efharisto!

Städte sind eher geht-so. Allerdings ist Areopoli, ein kleines Örtchen, etwa 3 km vom Hotel in Limeni, sehr sehenswert! Nach Sonnenuntergang lohnt es sich, sich durch die Bars zu trinken, die sich wie eine Perlenkette aneinander durch die Altstadt reihen. Nur damit das klar ist: Die „Altstadt“ ist eine etwa 100 Meter lange kleine schmale Gasse. Lichterketten, bunte Stühle, Tourifamilien, junge Griechen und Musik aus jeder Bar sorgen für den Anschein von „regem Treiben“. Unbedingt in meiner Lieblingsbar namens Aula vorbeischauen, allein weil der vollleibige Barmann so nett ist!

Eine ganz verrückte Alternative zu all dem: Stay home at the hotel and do nothing! Aufstehen, frühstücken, sonnenbaden/schwimmen/lesen, Salat snacken, sonnenbaden/schwimmen/lesen, aufs Zimmer zum Siestaschläfchen, Caffè Freddo trinken, sonnenbaden/schwimmen/lesen, Aperitivo nehmen, schwimmen/schlummern, dinnieren, heavy digesting, going straight to bed, sleep. Repeat.

Where to Eat

Fisch – gleich neben dem Hotel in Limeni liegt „Takis“ Fischtaverne, eine der beliebtesten Restaurants der Region. Es legen tatsächlich täglich Boote in der Bucht an, nur um hier zu essen! Die Taverne liegt ebenfalls direkt am Wasser, es gibt nur Outdoor-Sitzplätze, simpel überdacht und schön schattig. Hier hat man den schönsten Blick auf die Bucht. Und, wieder mal typisch Mani: Alles schnörkelos und ungewollt cool. Do it like the locals and go there for late lunch (erstens, da zur Dinnerzeit zu voll und kein Ausblick wegen Sonne weg. Zweitens: zum siesta machen genau richtig, da eh zu heiß in der Sonne! Also lieber schön Weißweinchen und Austern schlürfen!)

Fleisch – abends ins Dörfchen Drosopigi fahren und die einzige, unverfehlbare Taverne (deren Namen ich leider nicht entziffern konnte) besuchen. Wegbeschreibung vom hotel-teo geben lassen! Hier schafft es kaum ein Tourist hin. Plastiktischdecken, Neonlicht und viel, was man Einrichtungstechnisch nicht beachtet hat. Das macht aber die Aussicht über die Ebene und das Essen wieder gut! Unbedingt Lammrippchen aus der hauseigenen Zucht probieren!

Snacks – erst beim letzten Besuch entdeckt und sofort auf meine Mani-Toplist geschrieben: „Taverna Kalamakia“. In diesem recht großen Beachrestaurant sitzt man unter dem Reetdach und schaut wahlweise zwischen Strand und offener langer Theke hin und her. Was zu jedem guten Mittagsnack gehört: frittierte Fischchen, kaltes Amstelbier und Wassermelone zum Dessert!

How to Get There

The easiest way to get there is a flight nach Kalamata airport (z.B. mit Aegean Airlines). Von hier aus fährt man mit dem Mietwagen (Hotel bietet auch Pickup an) zirka eineinhalb Stunden über die hübsche Bergküstenstraße Richtung Areopoli bis nach Limeni.

Von Athen dauert die Autofahrt doppelt so lang und der Flughafen ist wesentlich größer (auf dem Rückweg etwas kompliziert) und die fahrt auf der Autobahn bei weitem nicht so idyllisch.

Wer so richtig schön slow-vacay machen will, kann auch mit Anek Lines eine Fähre buchen. Das hab ich einmal mit dem Auto gemacht – Route Venedig-Patras. Ein sehr gemütliches kleines Ferienabenteuer. Hier würde ich neben einem Autostellplatz unbedingt eine Deckpassage wählen. Leichte Klappliegen und Schlafsäcke selbst mitbringen, denn die Kabinen auf diesen Schiffen sind eiskalt und bei weitem nicht so romantisch, wie man meint! Dann lieber: happy diy-glamping.

Der Mini-Airport von Kalamata

Jana Gutsche arbeitet als Creative Director Style bei der deutschen Frauenzeitschrift „freundin“ und ist hier für die inhaltliche und optische Gestaltung der Departments Fashion und Beauty zuständig – immer noch im Glauben, dass man deutschen Kommerz auch cool machen kann (J.Crew schafft das doch auch!).

Für Fotoproduktionen hat sie mittlerweile alle Kontinente und Traumziele bereist und erkennt mit 36 Jahren so langsam, dass es Zuhause doch am schönsten ist.

Ihr Zuhause ist nach Stationen in Köln und Berlin nun in München, wo sie Familienprojekte wie den Insta-Account "besch_food" (@besch_food) consultet und die Bar "girls" (Instagram: @mjunikgirls) ihres Boyfriends Marlon Schuler unterstützt. Und wenn ihr mal wieder alles zu viel wird, gibt es ja immer noch – die wilde Mani.