Closet Diaries: April von Stauffenberg

April von Stauffenberg gewährt uns einen Einblick in ihren Kleiderschrank: Vom paillettenbesetzten Blazer bis hin zum gelben Kaftan gibt es keine Grenzen

Manchmal sieht man einen transparenten, in der Hüfte fest geschnürten kurzen Trenchcoat mit buntem Outfit darunter auf dem Fahrrad durch Berlin-Mitte fahren und weiß: Da kommt April! Manchmal war für den Tag Regen angekündigt, manchmal aber eben auch nicht. Oft trägt sie eine Cap, gerne auch Hut. Einen Ohrring auf der linken Seite, goldene High Heels und Glitzer am Tag, wenn sie ihre Tochter von der Kita abholt. Oder einen knallgelben Kaftan von Andra Dumitrascu, den sie seitlich unter ihre Unterwäsche klemmt, um eine Lanvin-artige Raffung zu erzielen.

Den Kopf voller Inspiration und Ideen, versorgt uns April hier regelmäßig mit ihren Gedanken zu besagten Fashion Phenomena. Und weckt uns regelmäßig aus unserem redaktionellen Tagesgeschäft, und zwar mit der Herausforderung, die auf englisch verfassten Gedankenspiele beim Übertragen in die deutsche Sprache nicht zu verlieren. Als es nun darum ging, Frauen mit spannenden Kleiderschränken und einfallsreichen Stilen zu portraitieren, führte an April kein Weg vorbei.

Und so klingelte unser kleines Produktionsteam eines Morgens an ihrer Tür zur liebevoll eingerichteten Altbauwohnung, in der sie mit Mann und Kind lebt. Weiß gestrichene Dielen, eine helle Küche mit traumhaftem Balkonausblick sind nur zwei der überzeugenden Argumente, hier einen wunderbaren Vormittag verbracht zu haben. “My closet is a wall of chaotic magic a Pandora’s box that never fails to surprise me“, sagt sie. Mehr Einblicke in den “Glorious Style of April” gibt sie unten im Video und dem dazu begleitenden Interview.

Über welchen Kleiderfund bist Du besonders froh?

Über den Wintermantel von Prada, den ich Second Hand gefunden habe, der nur zwei Jahre alt war und nur einen winzigen Bruchteil seines Ursprungspreises gekostet hat. Ich hatte ihn bei Colette in Paris umschlichen und wusste, dass ich ihn mir niemals würde leisten können… bis er unerwarteteweise nur ein paar Straßen weiter von mir in Berlin aus der Versenkung tauchte.

Welches ist Dein meistgeliebtes Teil und warum?

Mein Boys’ Blazer von Brooks Brothers, den ich rauf und runter getragen habe und zu allem kombiniere. Ziemlich wahrscheinlich wird diesen mein neuer Blazer von Helmut Lang ersetzen, den ich bei THE OUTNET gefunden habe.

Was war der letzte Schnäppchenkauf, bei dem Du erst skeptisch warst, den Du aber mittlerweile von Herzen liebst?

Ich habe vor vielen Jahren ganz regulär einen Trench von Dolce & Gabbana erstanden, weil ich mich sofort in den seltsamen Schnitt verliebt hatte, aber habe mich dann richtig schlecht gefühlt, den vollen Preis gezahlt zu haben: eine volle Monatsmiete, geisterte mir im Kopf herum, das war so dekadent, dass ich dachte, nach spätestens einem Jahr die Nase voll davon zu haben. Aber jetzt, ungefähr zehn Jahre später, trage ich ihn IMMER noch und liebe ihn genauso wie am Anfang. Letztendlich, wenn man eine Kosten-Nutzen- bzw. -Tragen-Kalkulation aufstellt, war das tatsächlich ein ziemliches Schnäppchen.

Mit welchem Outfit gehst Du auf Nummer sicher?

Ein blaues Button-Down Männerhemd von meinen Berliner Liebingsdesignern von Bless! Es eignet sich großartig, um das kleine Bäuchlein zu verstecken (bzw. den glutenreichen Pasta Bauch von gestern Nacht) und um zu teilen (ich kann es ziemlich weit aufgeknöpft tragen, ohne direkt skandalös billig zu wirken).

Du hast fünf Minuten vor Deinem Kleiderschrank. Was suchst Du aus?

Fünf Minuten sind mindestens vier Minuten und vierzig Sekunden zu viel. Ich brauche weniger: zehn Sekunden. (Ich bin Mama. Das sagt alles.)

Ok. Und wenn Du 30 Minuten vor Deinem Kleiderschrank hast, was  suchst Du dann aus?

Das falsche Teil! Immer. Und es endet auch immer damit, dass ich mich ins Bad entschuldige, um die falschen Socken auszuziehen. Vertraue Deinem Instinkt. Hör auf Deinen Bauch!

Spielen Jahreszeiten eine Rolle bei Deinen Styling Ritualen?

Was, wenn nicht das Thermometer diktiert uns die Kleidung? Der Winter ist “Hurra, menschengemacht” (Vinyl, Plastik, Fake Fur), während der Sommer ganz geerdet daherkommt (Baumwolle und Leinen) oder sogar “raupig” (Seide). Frühling und Herbst sind kompliziert (Hillary Clinton): Das heißt, Statement Anzüge ohne ein Statement zu machen?

Beeinflusst die Stadt, in der Du lebst, Deine Kleidung?

Schwere Frage! Es ist leichter, Kraftwerk in New York oder London zu sein als… ich weiß nicht, was ist das Gegenteil? Sex and the City in Berlin?

Was packst Du in Deinen Koffer, wenn Du in den Urlaub fährst?

So wenig wie möglich, sodass ich eine Entschuldigung habe, um shoppen zu gehen – oder um mich zu kleiden wie ein Samurai, Sherpa, Maharadscha oder eine Babuschka?

Wie unterscheidet sich Deine Urlaubskleidung von Deiner alltäglichen?

Kein Unterschied. Wie zeitgenössische Kunst oft auch, ist mein Kleiderschrank sehr speziell.

Shop the Look:

Fotos & Video: Julia Zierer
Übersetzung: Nella beljan
—IN ZUSAMMENARBEIT MIT the outnet—

Julia hat 2007 einen der ersten Modeblogs in Deutschland mitgegründet und als Consultant für Digitale Strategien gearbeitet, nachdem 2010 ihr erstes Buch erschienen ist. Nach vier ereignisreichen Jahren bei Condé Nast, in denen sie hauptsächlich für den digitalen Bereich der deutschen Vogue verantwortlich war, entschloss sie sich, ihr eigenes Online Magazin zu gründen, gemeinsam mit der Partnerin ihrer Träume – mit Veronika Heilbrunner. Julia lebt und arbeitet in Berlin und liest gerne Bücher.