Rückblick: Paris Fashion Week Oktober 2015

Paris Fashion Week Recap Collage
© Collage / Julia Zierer

Endstation Paris, vier Wochen Modewahnsinn haben sich dem Ende zugeneigt. Die Energiereserven werden merklich kleiner, doch meist entschädigt die französische Hauptstadt mit großem Knall – natürlich im Guten! Beste Menschen, beste Mode, beste Stimmung. Hier kommt er: Unser last but not least Rückblick der Paris Fashion Week.

VERONIKA

Persönliches Highlight: Der 90s Sportswearlook ist wieder da! Die schönste Trainingsjacke gibt es von Chloé natürlich zum romantischen, bodenlangen Blümchenrock. Die Sporthose von Isabel Marant ist Silberfarben und sieht einfach nur cool aus in Kombination mit ihren Signatur-„Berbere“-Pieces. Das i-Tüpfelchen kommt von Julien Dossena für Paco Rabanne mit Radlerhosen.

Beste Show: Louis Vuitton! Am Abend zuvor wurde ich beim Apple Talk gefragt, wie die Mode der Zukunft aussieht. Bei Look 3 spätestens wusste ich: genau so! Die Energie der Models, die zu wunderschönen Elektro-Klängen (unter anderem zu meinem liebsten Song „New Error“ von Moderat) durch ein Bildschirmlabyrinth liefen, auf dem Sequenzen aus Christopher Nolans “Interstellar” gezeigt wurden. Feine geflochtene Zöpfe in offenen, langen Haaren, klobige Plattform-Sandalen und die perfekten Cowboystiefel zu seidenen Boardshorts und viktorianischen Ballonkleidern. Beim Re-See am nächsten Tag konnte ich mich vergewissern: Mein Look für Sommer 2016 steht.

Bestes Dinner: Laura Browns persönliche Entdeckung der Kaviar-Kartoffel im Caviar Kaspia miterleben zu dürfen, war ein grosser Spaß. Endlich hat sich der Executive Editor von Harper’s Bazaar ein bisschen Zeit für Paris, Karl (Lagerfeld) und natürlich besagtes Abendessen genommen. Anschließend guckten wir auf eine Stippvisite bei der „95 Jahre Vogue Paris“-Party vorbei und mussten sofort Emmanuelle Alts Aufforderung zum Tanzen folgen. Bei Partyhits aus den Achtzigern kann ich auf keinen Fall still stehen. Rihanna, Kanye und Asap Rocky dagegen können das gut, sie verschanzten sich mit Bodyguards im Raucherséparée.

Beste Überraschung: Magdalena Frackowiak! Mein Lieblingsmodel zeigte ihren eigenen (wunderschönen) 18k Gold-Schmuck im romantischen Lapérouse. Eine Schönheit, die sich in eine andere kreative Richtung wagt.

Bewegendster Moment: natürlich bei Valentino! Der Soundtrack von „Der letzte Mohikaner“ tat sein übriges zu unglaublich exquisiten, bestickten Roben (mein Tribal-Favorit war der Batik-Anorak). Weinend und lachend zugleich verließ ich das Zelt in den Tuilerien, wissend, dass es schöner definitiv nicht werden kann!

Sonstige Nebenerscheinung: Gegen Ende der Fashion Week kristallisieren sich die schönsten Gemeinsamkeiten heraus. Da wären einmal Lingerie-Slipdresses (Céline, Balenciaga, Saint Laurent, Calvin Klein). Die coolen Body-Chains von Calvin Klein aus New York bekommen Unterstützung von Alexander McQueen (eine wunderschöne von den Hugenotten inspirierte Kollektion) und ganz reduziert bei Valentino mit einem ins Kleid integrierten Choker.

JULIA

Bestes Meeting & Menschen: Da Veronika vorbildlich Shows und Showrooms abklappert, bleibt für mich die Kür der Meetings. Cafés, Tees, Gläser Badoit Wasser und einige Weißweinschorlen später hangelt man sich von Termin zu Termin mit einem Kopf gefüllt mit gutem Input. Favorit in dieser Woche war das Kennenlernen von Jina Khayyer, die hier schon von Anne Philippi zu ihrem aktuellen Buch interviewt wurde. Dicht gefolgt von einem kurzen Stopp bei Colette, wo wir auf die zauberthafte Gaia Repossi (Schmuckdynastie) und Sarah Andelman (Co-Gründerin Colette) trafen. Ein paar Minuten später laufen wir auf der Straße der Fotografin Annemarieke van Drimmelen in die Arme, mit der vor ein paar Tagen ein gemeinsames Shooting stattfand und die jetzt endlich auf Instagram postet. Alles Super Power Women, die wir wunderbar finden.

Bestes Label: Doofe Bezeichnung, aber trotzdem eine Erwähnung wert. Im Showroom von Isabel Marant werden wir auf ein Feature der FT aufmerksam gemacht und nachdem ich es durchgelesen habe, ist mir noch klarer, was ich schon immer vermutet habe: Die Maschinerie hinter dem gleichnamigen Label von Isabel Marant ist das wirtschaftlich Cleverste, das es (neben Saint Laurent) derzeit gibt. Gute und spannende Lektüre, smarte Frau!

Beste News: Balenciaga stiehlt Louis Vuitton und Miu Miu die Show und verkündet, dass Demna Gvasalia der Nachfolger von Alexander Wang wird. Und das am letzten Tag der Schauen morgens noch vor sieben Uhr.

Beste Newcomer: Wenn wir schon mal beim Thema der Neulinge wären. Auch das Chambre Syndicale sorgt für frischen Wind und lässt diese Saison sechs neue Labels auf den offiziellen Schauenplan für Haute Couture aufrücken. Gefeiert werden die beiden Designer Sebastien Meyer und Arnaud Vaillant, die nun für das Label Courrèges verantwortlich sind.

Was sonst noch besprochen wurde: Die Genderdebatte bleibt auch in der Modebranche nicht aus. Vanessa Friedman schreibt in der NY Times über den Female Monday, dem Overload an weiblichen Designern an diesem Wochentag. Stella McCartney, Review von Sarah Burton für McQueen mit ihrer „freiesten“ Kollektion ever. Ein Hoch auf Julie de Libran bei Sonia Rykiel.

Beste Überraschung: The Row zeigt für 50 Einkäufer in einem Château (Inspiration der aktuellen Kollektion!) eine knappe Stunde außerhalb von Paris und bringt damit die hektischen Schedules durcheinander. „Wenn es sein muss, zeigen wir demnach in der nächsten Saison auf dem Mars“, scherzte die Pressedame auf die Frage, ob das nun bedeute, dass das Label New York den Rücken kehrt und nach Paris umsattelt.

 

Text: Veronika Heilbrunner & Julia Knolle