Past Perfect: Jackie O.

Jackie O Collage
©artwork by Charles Bals / Another Slang

JACKIE.

‚ICH MÖCHTE MEIN LEBEN LEBEN – UND NICHT AUFNEHMEN.‘

Jackie O. zierte 1993 das Cover von George Waynes R.O.M.E. Magazin – ein Heft, das eher für Enthüllungsgeschichten stand, setzte es sich doch aus Bildern und Geschichten aus dem Fashion-Bereich und der gerade erst aufkommenden elitären Promi-Kultur zusammen.

Natürlich zählte auch Jackie O., mit vollem Namen Jacqueline Lee Bouvier Kennedy Onassis, zu diesem Kreis. Das Feature der damals 63-Jährigen, zu dieser Zeit in diesem Magazin, unterstrich ihre immer noch anhaltende Bedeutung in Mode und Kultur. Es verdeutlichte auch, wie unfassbar stilsicher die ehemalige Präsidentengattin über die letzten 30 Jahre ihren Gesamtauftritt komponiert hatte. Das Magazin pries sie mit den Worten an “Spying on Jackie ‘O” (“Jackie O. ausspionieren”), gleichwohl es überhaupt kein Geheimnis aufzudecken gab. Es ging vielmehr darum, Jackies Stil zu zeigen wie auch eine rauchende Jackie abzulichten – in den späten 1970er Jahren für Amerika glich das einem Sakrileg, ihre Jackie zu so zusehen. Jackie, Jackie sah jedoch auf allen Bildern einfach unglaublich aus.

Es gab Jackie Kennedy und dann gab es Jackie O.  – selbe Frau, zwei sehr unterschiedliche Stile. Für beide wurde sie weltberühmt. Hervorragend sitzende Klassiker, die sie zu perfekten Ensembles zusammenstellte, verfehlten ihre Wirkung nicht: Stücke wie das A-Linien-Kleid, das Wolle-Bouclé-Kostüm von Chanel, der Rollkragenpullover, die Tasche von Gucci und das Cashmere-Twin-Set, alle von der besten Qualität, die man für Geld bekommen konnte, bestimmten den Auftritt Jacqueline Kennedys, die ihren Namen französisch ausgesprochen bevorzugte. Wie bei jedem anderen auch, veränderte sich im Laufe ihres Lebens ihr Stil, aber immer blieb sie ihrem geschmackvollen und irgendwie auch konservativen Anspruch treu, den sie stets mit Anmut und Würde zur Schau trug. Jackie war gebildet (sie sprach vier Sprachen und besaß einen Abschluss in Französischer Literatur), raffiniert und allem voran: Sie besaß ein untrügliches Gespür dafür, wer sie war und was sie wollte.

John F. Kennedy soll die mediale Begeisterung für seine Frau mit den Worten kommentiert haben: “Ich bin der Mann der Jacqueline Kennedy nach Paris begleitete – und ich habe es genossen.”

Trotz der großen Anziehungskraft, die Jackie auf die Medien ausübte, gelang es ihr, ihr Privatleben unter Verschluss zu halten. Das Rampenlicht fand sie langweilig, es erfüllte aber seinen Zweck. Es gehörte zu ihrem klugen Kalkül, ihre Präsenz für ihren Ehemann John F. Kennedy einzusetzen und damit ihr geliebtes Amerika zu unterstützen. Jackie erfüllte ihre Rolle mit einer puren, unverfälschten Eleganz. Diese Eleganz war es, die sie zur Berühmtheit machte und ohne Unterlass strahlte sie diese auch aus. Sie blieb sogar stets das grundlegende Element ihrer ganzen Reihe von perfekten, aufeinander abgestimmten Ensembles.

Jackie, so scheint es, lebte in zwei sehr verschiedenen Welten, ihrer eigenen persönlichen und derjenigen, in der sie die Frau des Präsidenten von Amerika war. Die Medien bedienten letztere – gute Presse war die treibende Kraft in den Polit-Kampagnen ihres Mannes. Und das war auch genau der Punkt, an dem Jackies Beziehung mit den Zeitungen und Magazinen endete. Die Treffen mit den Medien hatten ein klares Ziel und funktionierten nach ihren Bedingungen, sie bekamen nur das zu sehen, was Jackie ihnen erlaubte.

Zugang zu ihrer persönlichen Welt hatten sie nie – eine Welt, in der Jackie bereits viele Prüfungen hinter sich und noch viele schwere Prüfungen würde bestehen müssen wie etwa den Verlust mindestens zweier Babys, die angebliche Affäre ihres Mannes mit Marilyn Monroe und natürlich seine Ermordung im Jahre 1963 – bei der sie neben ihm saß. Nach diesem Tag trauerte Jackie mit dem ganzen Land um ihren großen Verlust, um sich dann vollständig aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Nach außen hin konnte sie die Fassade aufrecht erhalten. Sie bezeugte Stärke, als die Nation sie am meisten brauchte; doch in ihrem Inneren war Jackie zutiefst erschüttert.

Dieser Abschnitt, zwischen dem Tod Kennedys und ihrer Ehe mit dem griechischen Reeder Aristoteles Onassis, war eine Zeit der Erholung, wie es scheint, in der sie wieder in die Öffentlichkeit rückte und eine neue Phase ihres Lebens einläutete. Vorbei war es mit den Anzügen von Chanel und den ellenbogenlangen Handschuhen. An ihre Stelle traten der berühmte beige Trenchcoat, die Seidenschals von Hermés gepaart mit den dunklen Brillen, die zu ihrem neuen Markenzeichen avancierten.

Jackies Entschlossenheit, ihr Stoizismus und ihre würdevolle Anmut waren das hervorstechende Merkmal durch all ihre Metamorphosen. Sie sind es, die sie ausmachen – nicht die berühmten Pillbox-Hüte und Schmetterlingsbrillen, das waren nur oberflächliche Details, wenn auch zweifellos ziemlich gute – aber ihr hervorragendes Stilempfinden schöpfte sich aus ihrem Selbstwertgefühl und nicht abgekoppelt davon kann man ihre Raffinesse und Eleganz sehen.

Text: Morven Clements
Übersetzung & Edit: Dr. Nella Beljan